18. März
2026 „Vom Flandern-Denkmal zum Flandern-Bunker … Erleben von Kieler Geschichte“, Referent Karsten Severin
Zur Deutschland-Premiere am heutigen 18. März, dem Tag der Demokratiegeschichte, nämlich zur Erinnerung an Meilensteine auf dem Weg zur Demokratie, passt unser heutiges Programm zu Historie, Heimat und Kiel gut! Laut Wetterbericht haben wir den sonnenreichsten Tag der Woche und läuten darum im herrlichen Licht unsere Veranstaltung mit einem Gruppenfoto vor dem Flandernbunker an der Kiellinie ein. Karsten Severin vom Verein Mahnmal Kilian e.V. kommt hinzu und erklärt eingangs, dass der Verein nach dem Verlust des U-Bootbunker-„Kilian“-Denkmals auf dem Kieler Ostufer den Flandernbunker auf dem Westufer als Vereinsbesitz erwarb, um hier seine Konzepte für Geschichtsvermittlung umsetzen zu können.
Der „Flandernbunker“ verdankt seinen Namen Ereignissen des Ersten Weltkriegs: Das deutsche Kaiserreich hatte den Krieg verloren, erfolgreich hatte aber das „Marinekorps Flandern“ in der belgischen Küstenregion Gelände erobert und gehalten – nationalistische Kräfte stilisierten es zum Heldenmythos und widmeten ihm 1927 das „Flanderndenkmal“ am „Reichskriegshafen“, direkt daneben errichtete man 1943/44 den „Flandernbunker“. Kiel-Rendsburg-Eckernförde galt als das Verteidigungsdreieck, auch zum Schutz für die Werften. Der 2. Juli 1942 fand der erste Angriff auf Kiel statt, 1944 folgten die massivsten Luftangriffe: erst gegen den Hafen, dann gegen die Arbeiterviertel, um die Moral der Bevölkerung zu brechen. Von 300 000 Menschen in Kiel starben etwa 3000, wobei die häufigste Todesursache der Erstickungstod im Luftschutzbunker war. 80 % von Kiel war zerstört, - Fotos, Texte, Munitionsmaterial in der 2. Etage veranschaulichen es dramatisch. 1950 wurde der Bunker entfestigt, d.h. militärisch unbrauchbar gemacht.
Dieser dreistöckige Hochbunker mit einer Grundfläche von ca. 21 m x 21 m, Stahlbetondecken mit einer Stärke bis 3,75 m, war ein Truppenmannschaftsbunker für 750 Soldaten, zudem Zentrale des Marineoberkommandos für den gesamten Ostseeraum, auch Zivilisten hatten Zutritt wegen knapper Kieler Schutzräume – real konnten 2500 Menschen darin unterkommen. In den letzten Kriegsmonaten war er sogar Wohnort für Flüchtlinge.
Wir gehen eingangs durch den Splitterschutzraum, der auch vor Druckwellen eines Bombenangriffs schützen sollte. Weiter ebenerdig befanden sich Versorgungseinrichtungen mit Belüftungsanlagen, wo heute ein Veranstaltungsraum ausgebaut ist. Unmittelbar neben einer der Gas-Schleusen wurde einst ein Entgiftungsraum eingerichtet - Giftangriffe, wie man sie aus dem Ersten Weltkrieg kannte, blieben jedoch aus. Daneben befindet sich die Wandaufschrift „Stoßtrupp Milwaukee“; vermutlich war dieser Bunkerteil der Aufenthaltsort der Soldaten des Stoßtrupps. Die „Milwaukee“ war ab 1929 Passagierschiff, ab 1936 reines Kreuzfahrschiff, ab 1940 im Tirpitzhafen vertäut als Wohnschiff und ab 10. Mai 1945 Quartier der Briten.
Wir besteigen die Betontreppen, erleben bedrückende künstlerische Ausstellungsobjekte, besteigen dann die letzte Treppe, eine Stahlkonstruktion, hinauf auf das Dach des Bunkers – ein befreiender sonniger Ausblick in alle Himmelsrichtungen! Nur der hier hochragende Luftansaugschutz erinnert an die einstige Bedeutung dieses Bauwerkes.
Etliche unserer Kieler Stadt- und LandFrauen spüren früher Erlebtes wieder in Erinnerung kommen, intensive Gespräche untereinander sorgen für bewegende Momente. Das anschließende Kaffeetrinken im gegenüberliegenden Restaurant SVK sorgt langsam für Zerstreuung der nachdenklichen Gedanken, - Freude über Geburtstagsgratulationen, zu kaufende Glückseier zu Gunsten wohltätiger Zwecke, Osterglocken-Dekorationen, Berichte vom Weltfrauentag und Umlandtreffen hellen die Stimmung auf. In Vorfreude auf unser kommendes Event „Kultur und Genuss im Lauenburger Land“ am 22. April verabschieden wir uns.
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