05. Nov 

2025                  „Bedeutung wichtiger Straßen- und Platznamen in Kiel“,

                            Vortrag von Staatssekretär a.D. Rolf Fischer, Vorsitzender der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte

Gratulationen, Termin- und Informationsbekanntgaben – digital wie mündlich, gehen der heutigen Veranstaltung voraus, bevor unser Hauptveranstaltungsthema mit Rolf Fischer beginnt: heute mit dem Kulturschwerpunkt „Kieler Geschichte“, von der viele Spuren in unserer Landeshauptstadt zeugen! 1875 schlossen sich in Kiel Bürger um den Bankier Wilhelm Ahlmann zusammen und gründeten die nun bereits 150 Jahre alte Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V., von der Rolf Fischer heute Vorsitzender ist. Kaum eine andere deutsche Stadt hat die Entwicklung von einer mittelalterlichen Handelsstadt zu einer Hafenstadt von gleichermaßen ziviler und militärischer Bedeutung durchgemacht. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unsere Stadt mit früher mehr Industrie und Werften zu einer eher wissenschafts- und dienstleistungsorientierten Stadt gewandelt, wobei die militärische Bedeutung aktuell wieder wächst. Wenn auch nicht architektonisch – gemessen z.B. an Lübeck -, aber doch aus historischer Sicht sei Kiel sehr attraktiv, sagt Fischer. Wie daraus Namen für Straßen und Plätze hier entstanden sind, erläutert er anhand von fünf ausgewählten Stadtgebieten.

 

Insgesamt gibt es in Kiel etwa 1600 Straßennamen (in Hamburg im Vergleich: über 9000). 1870 ist Kiel etwa so groß wie heute Eckernförde. Die Stadt wächst, Ausfallstraßen wie „Hamburger Chaussee“, „Rendsburger Landstraße“ entstehen. 1914 zählt Kiel über 200 000 Einwohner, es entstehen „Ringe“ um den Stadtkern wie der „Westring“. Wenn heute für die Namensfindung zwei Bedingungen erfüllt sein müssen, Orientierungsfunktion und Erinnerungsfunktion (z.B. „Platz der Kieler Matrosen“), legte um 1933 die Parteileitung die Namen fest. So hieß z.B. unser Rathausplatz damals Adolf-Hitler-Platz oder die Kiellinie Hindenburgufer. 

Rolf Fischer beginnt im Kieler Norden: Im ‚jungen‘ Schilksee, 1959 eingemeindet, orientieren sich viele Namen an den olympischen Regatten von 1972, z.B. „Fliegender Holländer“. Im Französischen Viertel, ein 1890 eingerichtetes Kieler Viertel in der Stadtmitte, wird mit z.B. „Metz-, Weißenburg-, Spichernstraße“ an die Erfolge der deutschen Heere auf den Schlachtfeldern von 1870/71 erinnert. Unter manchen Straßenschildern erklären Hinweise die historische Bedeutung. Um 1910 kam Gaarden zu Kiel, auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Gebiet wurden Häuser für die Werft- und Militärarbeiter gebaut: Die in Kiel gebauten Kriegsschiffe wie „Iltis“, „Vineta“, „Medusa“ gaben den Straßen und dem Platz ihre Namen. Aus den um die 100 000 deutschen Arbeitern in Gaarden sind heute Menschen aus 130 Nationen geworden, das heißt, heute besteht kein Einklang mehr mit der einstigen Historie des Stadtteils. Im Dietrichsdorfer Afrika-Viertel wurden um 1938 Häuser mit Innenhöfen und Tiermotiven am Eingang gebaut: Man findet dort noch abgeschlagene Hakenkreuze, warum? „Lüderitz-, Nachtigal-, Hermann von Wißmann-, Woermann-Straße“ – Namen früherer Reichskommissare, die die skrupellose Kolonialpolitik im Kaiserreich, z.B. in Namibia in Afrika bestimmten, gaben den Straßen deren Namen. Afrikaviertel gibt es übrigens in vielen deutschen Städten, also kein Kieler Phänomen – zu möglichen Umwidmungen bestehen vielerorts offensive Diskussionen. Final widmet sich Rolf Fischer Meimersdorf. Hier im neuen Stadtteil gelten alte Flurbezeichnungen mit niederdeutschen Namen für die einstigen landwirtschaftlichen Bereiche, z.B. „Lüttenhoff“, „Hoppenbrook“. Des Weiteren erläutert er interessante Varianten, wo und wie Geschichte nicht „ausradiert“ wird, aber auch kuriose oder selbstironische Namen wie „Lohntütenweg“, „Beamtenlaufbahn“, „Jungfernstieg“, „Geldbeutel“, „Schröpfecke“, „Himmelsleiter“ … - mit allen begleitenden Fotos, detaillierten Erläuterungen und Anekdoten hat Rolf Fischer uns an diesem Nachmittag für die Kieler Stadtgeschichte besonders sensibilisiert und begeistert! Ein herzlicher Dank gilt ihm und seiner technisch unterstützenden Begleitung Frau Kalweit!