An diesem sehr zahlreich besuchten Nachmittag begrüßten wir zwei neue Mitglieder, vier Zuhörerinnen-Gäste – und natürlich unsere Referentin Frau Dr. Brigitte Heise, die u.A. für die Lübecker Museen zuständig war und bis heute in Fachgremien tätig ist, um z.B. Museen zu zertifizieren.

 

Engagiert berichtete Dr. Heise im Einstieg von der „Schule von Barbizon“, die entscheidenden Einfluss auf die Impressionisten hatte, die sich oft auf der Suche nach Orten für ihre Pleinairmalerei in den Wald von Fontainebleau begaben, wo sie auf die Maler von Barbizon trafen. Nach ihrem Vorbild versuchten die Worpsweder Künstler und Künstlerinnen durch genaue Beobach­tung der Natur in der urwüch­si­gen, künst­le­risch noch unent­deck­ten Landschaft des Teufels­moors bei Bremen neue Ausdrucks­mög­lich­kei­ten zu finden.

 

"Fort mit den Akademien, nieder mit den Profes­so­ren und Lehrern, die Natur ist unsere Lehrerin und danach müssen wir handeln", notierte der Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede und einer der bekanntesten deutschen Landschaftsmaler Otto Modersohn Ende August 1889 in seinem Tagebuch. Denn mit einem Gemälde aus einer Eisengießerei in Berlin verdeutlichte Frau Dr. Heise eingangs die Stimmung der Bevölkerung in der Stadt: nur die „oberen Schichten“ konnten sich Gemälde leisten, und zwar geschönte Bilder der Natur!

Zahlreiche weitere Künst­ler­ko­lo­ni­en wurden etwa zeitgleich innerhalb und außerhalb Deutsch­lands gegründet, so auch z.B. in Ahrenshoop.. Frau Dr. Heise erläuterte dazu viele ausgewählte Bilder (i.d.R. urheberrechtlich geschützt, darum auf unserer Seite nicht genauer gezeigt!) u.A. von Otto Modersohn, Fritz Mackensen, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler, - und insbesondere Paula Modersohn-Becker. All deren Werke: mit „Wolkenbildern“, Farbspielen aus der Moorstecherei; Birken als Hauptfiguren, Portraits von Kindern, Alten - nicht sozialkritisch, einfach-pittoreske Motive! Anfangs als „Apostel des Hässlichen“ belächelt, erlebte diese Kunst triumphalen Erfolg im Münchner „Glaspalast“!

 

In den genannten Künstlerkolonien arbeiteten besonders viele Frauen – hier konnten und durften sie sich entfalten! Andernorts wurden sie noch despektierlich „Malweiber“ tituliert! Uns Frauen sprach man bis etwa um die Jahrhundertwende körperlich und geistig die Kunst-Fähigkeit ab – das sollte sich erst 1919 mit der Gleichberechtigung im Wahlrecht ändern!

 

Es war uns allen eine große Freude, an Frau Dr. Heises Leidenschaft und Begeisterung für die Kunst, insbesondere der der Frauen, teilhaben zu können.